Zu Google Street View gibt es ja die unterschiedlichsten Meinungen: Die einen können scheinbar nicht genug davon bekommen, vom Wohnzimmer aus fremde Straßen und Gebäude zu erkunden, die anderen fühlen sich unwohl mit dem Gedanken, dass Menschen aus aller Welt bald das eigene Haus begutachten können sollen. Ich selbst habe Google Streetview bislang nur sehr selten und wenn, dann als Spielerei für zwischendurch genutzt; einmal zum Beispiel, um noch mal ein paar Straßen in London anzusehen, die ich auf meiner Reise besucht habe. Das ist schön und macht Spaß, rechtfertigt meines Erachtens aber nicht den ganzen Aufwand. Aber Google zahlts ja. :)
Die Frage allerdings ist, ob eine Spielerei wie Google Street View so wichtig ist, dass sie das Wohlbefinden des Einzelnen einschränken darf. Google zeigte sich kooperativ und ermöglicht Mietern, Haus- und Autobesitzern, Widerspruch gegen die Veröffentlichung ihrer Objekte einzulegen, sodass diese bis zum Zeitpunkt der Verfügbarkeit von Google Streetview in Duetschland gelöscht werden (siehe auch heise online). Meiner Meinung nach eine optimale Lösung: Wer sein Haus aus welchen Gründen auch immer online finden möchte, lässt das Objekt einfach stehen und wer lieber nicht in Street View erscheinen möchte, lässt sein Objekt löschen. Jedem das seine.
Aber Internetausdrucker dürfen natürlich nicht siegen, so oder ähnlich muss Jens Best gedacht haben, als er – unter Berufung auf ein Gerichtsurteil aus dem Jahre 1989 – eine Aktion startete, die es sich zum Ziel setzt, jene Häuser nachträglich zu fotografieren und mit Geotags zu versehen, die der Aufnahme in Street View widersprochen haben. Ich denke, der erste Kommentator Daniel hat es sehr treffend formuliert:
Nicht alles, was nicht verboten ist, muss auch tatsaechlich gemacht werden. Nennt sich Anstand.
Die Intention ist reine Boshaftigkeit, wenn man bedenkt, dass die Widersprechenden kaum ohne Grund ihr Haus haben löschen lassen. Was an der ganzen Street View Diskussion so lustig ist: Die meisten, die Street View befürworten, haben gestern noch Flashmobs gegen Kameraüberwachung organisiert.
Dabei sind die Beweggründe, sein Haus aus Street View löschen zu lassen, durchaus nachvollziehbar: Das Problem wird häufig nicht im Foto selbst oder in den Geo-Daten selbst gesehen, sondern im Zusammenspiel dieser beiden Informationen. Die Tatsache, dass ein Fremder künftig mit wenigen Mausklicks erfahren kann, wo man wohnt und wie es dort aussieht, bereitet vielseits Unbehagen.
Ich persönlich habe nichts gegen Google Street View. Bei Menschen, die der Sache eher skeptisch gegenüberstehen, die Brechstange anzuwenden und sie mit aller Gewalt dazu zu zwingen, mit ihren Häusern in Street View aufzutauchen, ist jedoch grundlegend falsch. Es ist anmaßend und zu einem gewissen Grad sogar Fremdbestimmung, entscheiden zu wollen, dass es für alle Kritiker besser ist, an Street View teilzunehmen. Es mag den rechtlichen Rahmenbedingungen entsprechen, allerdings sollte das Grundgesetz immer unter dem Gesichtspunkt der Moral betrachtet werden, sonst kommt es seinem eigentlichen Zweck – Menschen das Zusammenleben zu erleichern – nicht mehr nach.

Ich selbst sehe zwar die Einigung der Großen Koalition ebenfalls nur als geringfügige Verbesserung und hatte mir in der Hinsicht von der SPD mehr Willensstärke erhofft, zur Zeit artet die Diskussion aber zu einer reinen Kompetenzfrage aus. Mit solchen Aktionen wird das Licht leider komplett vom Diskussionsgegenstand – dem Wohlergehen potenziell gefährdeter Kinder und der Strafverfolgung von Tätern – gelenkt, stattdessen erscheint zunehmened der Eindruck, die Blogosphäre sei einfach gekränkt darüber, dass ihre Stimme nicht auf die Art und Weise anerkannt wird, wie sie sich das gewünscht hatte. Hiermit sei keinesfalls gesagt, dass der Kampf gegen die sinnlosen Sperrmaßnahmen weiter geführt werden muss. Aber zur Zeit findet in Deutschland keine Zensur von politisch motivierten Seiten statt und es gibt auch keine Anzeichen dafür, dass dies in Zukunft geschehen wird. Somit sollte man gemeinsam (Blogosphäre und Bundesregierung) gegen Kinderpornografie kämpfen, statt sich gegenseitig auf eine dermaßen kindische Art und Weise zu bekriegen.