Wer die ersten Minuten der TV-Total Bundestagswahl 2009 verfolgt hat, fühlte sich schnell in ein Fußballstadion versetzt. Ein Publikum, das seine politische Meinung über abwertende “Buh”-Rufe und anerkennendes Klatschen verkündete, machte es doch an der ein oder anderen Stelle schwer, eine Diskussion zu verfolgen.
Insgesamt hatte man von allen etablierten Parteien einen Politker eingeladen, sodass sich am Ende Christian Wulff (CDU), Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), Franz Müntefering (SPD), Jürgen Trittin (Grüne), Guido Westerwelle (FDP) und Gregor Gysi (Linke) der gegenseitigen Diskussion stellten – und das, erfreulicherweise, sehr viel spannender als es im “Kanzlerduell” der Fall war.
Leider hat man bei der SPD meiner Meinung nach mal wieder voll daneben gegriffen. In eine Sendung, deren Zuschauer überwiegend sehr jung und daher häufig Erstwähler sind, Franz Müntefering zu schicken, ist einfach falsch. Dieser Mann hat keinen Bezug zu neuen Medien, sondern wirkt auf Jugendliche allein schon durch die Sprach- und Themenwahl eher abweisend.
Auch die Piratenpartei wurde in der Diskussionsrunde thematisiert; diesem Thema steuerten die Vertreter von CDU / CSU wie erwartet nur Unsinn bei, entweder wie Guttenberg, der kleinere Parteien gerne mal ins Lächerliche zieht oder aber wie Wulff, der voll hinter der Zensurinfastruktur steht und bis heute nicht wahr haben will, dass ein rechtssicheres Internet nicht auf Basis von dem Verlust von Grundrechten aufgebaut werden kann.
Besonders überrascht hat das Ergebnis, das interessanterweise von der Linkspartei dominiert wurde. Entweder konnte man unter Gregor Gysi also eine Revolution auslösen, oder da ist irgendetwas nicht so demokratisch gelaufen, wie in Realität wünschenswert. Die Ergebnisse zeigen leider auch, wie wenig repräsentativ solche Umfragen sind und dementieren Stefan Raabs Ankündigung, die TV-Total Bundestagswahl(umfrage) werde der echten Bundestagswahl gleichen. Denn einen solchen Zuwachs für die Linkspartei kann ich mir beim besten Willen nicht vorstelllen.
Alles in allem hätte man die Sendung meiner Meinung nach seriöser gestalten können. Das fängt an bei dem Publikum, geht über die Regie, die teilweise die Mikrofone der Redner ausschaltete, bezieht sich auf das Abstimmungssystem (wobei mir hier zugegebenerweise auch noch keine Alternative eingefallen ist) und endet bei Peter Limbourg, der einfach nicht an die Seite von Stefan Raab passt.
Die Prognose der Sendung lautet übrigens wie folgt:
- CDU / CSU: 31,5%
- SPD: 16,8%
- FDP: 14,5%
- Grüne: 14,4%
- Linke: 16,8%
CDU und FDP würden also (glücklicherweise) keine Koalition bilden, die Große aus Schwarz-Rot gäbe es auch nicht mehr. Die Alternativen sind aber auch eher “ungewöhnlich” und thematisch wenig übereinstimmend. (Eine grafische Ansicht zeigt dieser Blogartikel.)