In einem, da ist sich die Blogosphäre wie so oft einig: Das Sperren von Internetseiten mit kinderpornografischen Inhalten verhindert selbige nicht. Im Gegenteil: Die entwickelte Technik ließe sich in Zukunft auch auf andere Inhalte anwenden, rein theoretisch stünde einer flächendeckenden Zensur nichts im Weg. Außerdem ist diese Sperre nicht 100% sicher, wer seinen Nameserver auf einen freien DNS-Server umstellt, kann die entsprechenden Inhalte weiterhin aufsuchen. Laut unserer Familienministerin sind Nutzer mit diesen Fähigkeiten zumeist schwer pädaokriminell, aber das ist ein anderes Thema.
Nein, worum es mir bei diesem Artikel vor allem geht: Ist das Internet der richtige Ansatz, um Kinderpornografie zu verhindern? Und damit meine ich: Egal ob Zensur, Serverschließungen oder Strafverfolgung. Muss man bei diesem Thema nicht auf der Straße anfangen? Die Kinder-Darsteller kommen nicht aus Deutschland. Nicht aus der Schweiz, nicht aus den Vereinigten Staaten und auch nicht aus Großbritannien. Sie kommen aus den Problemgegenden, Thailand etwa. Die Darsteller werden nicht aus wohlhabenden Familien gerissen, um dann vor die Kamera gezerrt zu werden. Die Kinder müssen ihren Körper verkaufen, um überhaupt an Geld zu kommen und somit ihr Überleben zu sichern. Es sind Kinder, die von Armut geprägt sind. Von anderen gezwungen werden, sie bieten sich regelrecht an.
Und die Polizei: Schaut weg. Will damit nichts zu tun haben. Strafverfolgung ist bei den meistens ausländischen Tätern nicht möglich, häufig ist die Justiz selbst in Straftaten verwickelt.
Das Internet ist der falsche Ansatz. Hier kann eventuell die Verbreitung von einigen Inhalten erschwert werden, aber Kinderpornografie lebt weiter. Und selbst wenn sie mit der Internetzensur verhindert werden könnte, es gibt erstens andere Wege, zweitens läuft der Sextourismus weiter – und der ist mindestens genauso schlimm, wenn nicht noch schlimmer.
Die Kinder, die Darsteller von Kinderpornografie sind, interessiert nicht, ob diese in Deutschland zensiert wird. Wahrscheinlich kennen die meisten das Internet gar nicht, weil sie nie ein Internetcafé betreten haben, geschweige denn einen Computer besitzen.
Das Geld, das die Bundesrepublik in Internet-Sperren, Datenüberwachung (Vorratsdatenspeicherung) und ähnliches investiert, wäre bei Entwicklungshelfern besser aufgehoben. Helfer, die den Kindern, die sich nicht anders zu helfen wissen, als ihren Körper zu verkaufen, helfen. Wenn es keine willigen Darsteller mehr gibt (mir ist klar, dass es bis dahin noch ein weiter Weg ist), wird die Produktion von Kinderpornografie deutlich schwerer und gefährlicher sein. Wir sollten nicht die Verbreitung, sondern schon die “Herstellung” verhindern.
Interessante Links zur Debatte
- Warum es um Zensur geht : netzpolitik.org
- Petition: Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten
- Umfassende Linkliste von Christopher Koch
Übrigens: Der Twitter-Account @zensurpetition informiert mehrmals täglich über die aktuelle Unterzeichnerzahl der Petition.
Dieser Artikel soll nicht zum Ausdruck bringen, dass auch in westeuropäischen Ländern Kinder missbraucht werden. Allerdings gehe ich davon aus, dass Kinderpornografie und Sextourismus vorallem in Armutsländern entstehen.