7. February 2012

Die Intoleranz der katholischen Kirche

Eigentlich sollte man meinen, dass wir mittlerweile in der Moderne angelangt sind und uns von Vorurteilen gelöst haben. Man sollte meinen, dass gerade die Kirche ein Ort ist, der jedem Zuflucht gewähren sollte, statt bestimmte Gruppen wegen Vorurteilen auszugrenzen. Schauen wir uns aber die traurige Realität an: In Großbritannien heiratet ein Homsexuellenpaar – Die katholische Kirche lässt ihre Empörung spüren. In Italien wird es einem nach einem Unfall impotenten Mann untersagt, kirchlich zu heiraten. In Polen gibt es Anstalten, die “Homosexuellen den richtigen Weg zeigen” sollen. Nicht zuletzt wurden dort die “Teletubbies”, eine Sendung für Vorschulkinder, aus dem Programm genommen. Doch nicht mit der richtigen Begründung, dass sie eine völlig falsche Sprache vermittelt, nein, man habe die Befürchtung, dass eine der Figuren schwul sei. Ich würde mich nicht wundern, wenn die katholische Kirche da ihre Finger mit im Spiel hatte. Muss aber auch nicht sein, 53 Prozent der Polen sehen in homosexuellen Beziehungen ja so wie so eine Sünde.

Irgendwie kennen wir das alles doch schon. Drehen wir die Zeit mal 60 oder 70 Jahre zurück stellen wir fest: Es gibt Parallelen. Und das Vorurteil konnte bis heute nicht abgeschafft werden. Nun möchte ich aber erst mal zum ausschlaggebenden Thema kommen: Ein Dekan aus Limburg hat am vergangenen Freitag im Wetzlarer Dom einem homosexuellen Paar seinen öffentlichen Segen erteilt – promt hat die katholische Kirche ihm das Amt entzogen. Begründung: Die katholische Kirche fühlt sich dazu verpflichtet, gegen die rechtliche Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften Einspruch zu erheben.

Wozu sich die katholische Kirche nicht immer berufen fühlt. Der Blog “Mit elektrischer Feder” schreibt:

Man kann nichts segnen, was Gott, nach unserem Glauben, nicht zusammenfügen will. Dass Sakrament der Ehe ist Katholiken heilig, was im Umkehrschluss jede andere Form eben unheilig, unheilstiftend macht.
Quelle: http://efeder.wordpress.com/2008/08/21/bischof-greift-durch/

Welches Unheil wird denn gestiftet? Das Unheil wird nur durch die Intoleranz der katholischen Kirche hervorgerufen, die aus fragwürdigen Schriftstücken ableiten will, dass “Gott” gegen homosexuelle Segnungen sei. Wenn dem so ist, dann hat Gott nichts mehr im 21. Jahrhundert verloren.

Leider hat der Ehebund zu sehr auf die außerkirchliche Gesellschaft abgefärbt. Wer eine “Hochzeit in weiß” will, muss in die Kirche gehen. Da ist so einiges falsch gelaufen. Welche Nachricht will die Kirche vermitteln? Offensichtlich nicht die, die Konfirmanden beigebracht wird. Zwischenmenschlichkeit, Respekt, Toleranz – Alles Dinge, denen die Kirche wohl nicht nachzukommen hat, Hauptsache, man besinnt sich auf den Schwachsinn, den ein 2000 Jahre altes Schriftstück vermittelt. Apropos Bibel – Toleriert die katholische Kirche eigentlich Inzest?

Bevor es hier zu Missverständissen kommt: Ich habe den Text nicht geschrieben, um mich selbst zu verteidigen – ich bin keineswegs homosexuell -, viel eher soll er sich mit dem gesamten Thema der katholischen Kirche kritisch auseinandersetzen.

Comments

  1. Möchtegern says:

    “Drehen wir die Zeit mal 60 oder 70 Jahre zurück stellen wir fest: Es gibt Parallelen.”

    Schon mal was von Godwin’s Law gehört?

  2. Raistlin says:

    Bitte, also diese Nazi-Vergleiche sind ja unterste Schublade. Den “Klostersturm” oder der Priesterblock in Dachau und Ausschwitz scheint man anscheinend zu vergessen.

    Die Lehre ist ganz klar und hat nichts mit zeitgeistlichen Entwicklungen zu tun. Im Katechismus wird übrigens gesagt (ein Blick darin empfiehlt sich immer):

    2358 Eine nicht geringe Anzahl von Männern und Frauen sind homosexuell veranlagt. Sie haben diese Veranlagung nicht selbst gewählt; für die meisten von ihnen stellt sie eine Prüfung dar. Ihnen ist mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen. Man hüte sich, sie in irgend einer Weise ungerecht zurückzusetzen. Auch diese Menschen sind berufen, in ihrem Leben den Willen Gottes zu erfüllen und, wenn sie Christen sind, die Schwierigkeiten, die ihnen aus ihrer Veranlagung erwachsen können, mit dem Kreuzesopfer des Herrn zu vereinen.

    Für die Ehe, ja für die kirchliche Ehe gilt aber: sie kann nur unter bestimmten Regeln gelten. Und wer diese nicht erfüllt, kann auch nicht heiraten und kirchlich getraut werden. Wenn jemand ergo ausserkirchlich mit jemandem zusammen leben möchte – bon … kein Problem. Im säkularen Staat ist das möglich und auch durchaus okay.

    Aber den kirchlichen Segen zu bekommen, das geht eben nicht, das liegt im System selbst und eine Abweichung davon wäre ein gedankliches Paradoxon.

    Wo liegt also das Problem? Man glaubt aus freiem Willen und wer die Regeln der Kirche nicht unterschreiben kann, dem steht frei auszutreten. Übrigens auch im ach-so-säkularen 21. Jahrhundert, das genauso enden wird wie das 20. Jahrhundert, als die grossen Ideologien als Schlächter auftraten. Braun, Rot oder sonstigen profan-säkularen atheistischen bzw. agnostischen Ideensysteme haben über 150 Millionen Tote zu verantworten.

    Mit einem festen Glauben und Vertrauen auf Gott wäre das nicht passiert…

  3. Mcp says:

    Ich nehme an, Sie sind Katholik. Denn sonst wäre Ihre Erregung höchst unverständlich und äußerst intolerant gegenüber alternativen Lebensformen, wie beispielsweise den Katholizismus.

    Niemand wird gezwungen an den katholischen Gott zu glauben. Der aber, der an ihn glaubt, versteht seiner Botschaft oder er glaubt eben nicht daran.

    Innerhalb jedes beliebigen Kleingartenvereins gibt es eine Satzung, auf die sich ein Mitglied verpflichtet. Verstößt er dagegen, wird er entweder gemaßregelt oder fliegt raus. Niemand jedoch zwingt ihn Mitglied zu werden oder zu sein. Er kann seiner Wege gehen und anderswo glücklich werden.

    Was also erregt eigentlich ihren Unmut genau? Dass ich an etwas anderes glaube, als Sie? Dass ich meine Meinung öffentlich vertrete? Dass meine Meinung ein andere ist, als die Ihre? Alles das, sind doch Werte einer freien Gesellschaft. Oder wollen Sie die gar nicht, sondern eine, in der jeder das Gleiche glaubt? Am besten dass, an was Sie glauben. Orwell gelesen und verinnerlichet? Heh, Sie Depp, das war Gesellschaftskritik, kein Handbuch zur Herstellung der Gleichmacherei.

    Sie sind kein Katholik, den sie glauben nicht an einen Gott, dessen Existenz ich aus „fragwürdigen Schriftstücken“ ableite. Sie sind schlimmer. Sie sind ein intoleranter Heuchler.

    Heuchelei? Doch, der Schuh passt. Denn was bewirkt ein verweigerter Segen in ihren Augen eigentlich? Ich kenne die Antwort aus ihrem Text: Nichts. Warum also ihre hyperventilierende Aufregung? Weil Sie homosexuell sind? Nicht einmal das, wie Sie vorauseilend versichern. Sind Sie vielleicht Homophob? Oder warum sonst dieser wirklich allerletzte Satz?

    Der Vorgang betrifft sie einfach nicht. Dass sie vorgeben, davon betroffen zu sein, erfüllt den Tatbestand der Heuchelei. Die berufsbetroffenen Heuchler sind offenbar ihr Vorbild.

    Was also genau ist Gegenstand ihrer öffentlichen Denunziation? Ich ahne es. Sie sind so verdammt modern und aufgeklärt, dass es außerhalb ihrer Vorstellungswelt nichts anderes existiert, als das unausgesprochene Böse.

    Jeder spanische Torero kennt die Wirkung eines roten Tuches auf die unvernünftige Kreatur. Weißer Mann, Kirche, Nazi. Sie tun mir leid. Wirklich. Ich werde für Sie eine Fürbitte beten. Ich bin so tolerant‚ obwohl ich glaube, dass ihre junge Seele bereits vom Hass auf alles was ihnen fremd und unzugänglich ist, zerfressen ist.

    Gegen einfache Weltbilder hilft eigentlich nur eine ordentliche Portion Bildung. Die hat man Ihnen aber, so entnehme ich es ihrem Seitenkopf, bisher verweigert. Denn wie wird man sonst „Schüler, Journalist und Webprogrammierer“? Die drei Weisen sind das nicht. Mich gruselt vor soviel geballter Kompetenz.

  4. Matthias says:

    Das Problem besteht nicht darin, dass die katholische Kirche aus ihrer Sicht richtig gehandelt hat – Sicher, so steht es in der Bibel. Die Frage ist doch viel eher, ob sich der moderne Mensch nach dermaßen veralteten “Regeln” richten sollte, die einzelne Menschengruppen gezielt ausschließt. Ich kritisiere hier weniger das Handeln als viel mehr die Tatsache, dass sich die Kirche völlig veraltete Weltanschauungen vertritt.

    Die angesehene und zugleich beliebte Art der Heirat findet nun mal über die Kirche statt. Kirchliche Feste werden auch von Nichtgläubigen gefeiert – etwa zu Weihnachten sind die Kirchen voll, wohingegen an “normalen” Sonntagen der Pfarrer häufig allein auf weiter Flur steht. Christliche Feste haben sind also fest in der Gesellschaft verankert. Wer nicht strenger Atheist ist, möchte eine Hochzeit in weiß – Mit Kirche, Trauspruch und Orgelmusik. Halten wir also fest: Einem Homosexuellenpaar wird die in der Gesellschaft beliebteste Art verweigert. Wenn sich die Katholiken also nicht von ihrer (politisch nicht korrekten) Weltanschauung losreißen können, müssen zumindest Alternativen geschaffen werden. Genau dieser erzwungene gesellschaftliche Ausschluss erregt meinen Unmut. Natürlich kann man frei wählen, aber was, wenn man als Homosexueller selber Katholik ist? Sollte eine Sexualität denn von religiösen Gruppen ausschließen?

    Mcp – Ich habe nicht im Geringsten was dagegen, dass Sie Ihre Meinung äußern. Auch ich behalte mir das Recht vor; selbst, wenn Sie mich als inkompetent ansehen.

    Ich bin durchaus für Argumente zugänglich und gebe zu: Vergleiche mit dem dritten Reich sind häufig nicht angebracht. Den Rest meines Artikels sehe ich aber nach wie vor so, wie er dort steht.

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